Manege frei für einen Zirkus ohne Tiere

Mahnwachen vor „Circus Montana“ in Tübingen.

Inzwischen sind laut Umfragen zwei Drittel der deutschen Bevölkerung gegen Wildtiere im Zirkus. 2010 hat sogar die Bundestierärztekammer aus Tierschutzgründen ein Verbot von Wildtieren in Wanderzirkussen gefordert. Auch der Bundesrat hat 2003 für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gestimmt. Doch die Bundesregierung ignoriert diese deutlichen Aufforderungen bis heute.

Der „Circus Montana“ wirbt besonders mit seiner Raubtiershow, die vor allem von dem Star-Dompteur Christian Walliser veranstaltet wird. 2009 wurde Walliser von einem Tiger in den Schädel gebissen, während ihm ein anderer die Hand abtrennte. Dieses Beispiel zeigt, dass Tiere nicht nur aus Gründen der Ethik und des Tierschutzes im Zirkus verboten werden sollten, sondern auch wegen der Gefahr, die von ihnen ausgeht. Wildtiere sind eben keine Kuscheltiere. Seit 2009 hat es im Zirkus 110 Ausbrüche von und 26 Unfälle mit Tieren gegeben – diese Zahlen und die damit verbundenen Gefahren sprechen für sich.

Doch Walliser geriet nicht nur wegen der Unfälle in die Schlagzeilen. 2013 soll laut Medienberichten ein Tigerbaby, das unter Wallisers Obhut stand, gestorben sein. Der Grund dafür sei, dass es von der Mutter verstoßen worden war. In der freien Wildbahn kommt es jedoch so gut wie nie vor, dass Tigermütter ihre Jungen verstoßen. Daher liegt laut Medien der Verdacht nahe, dass die Mutter durch die nicht artgerechte Haltung in dem engen Käfig und den vielen Transporten sowie Dressuren stark verhaltensgestört ist.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. In Belgien, Slowenien und 15 weiteren europäischen Ländern sind Wildtiere oder Tiere allgemein bzw. zumindest bestimmte von ihnen bereits im Zirkus verboten. Auch kommunale Verbote für Wildtiere im Zirkus sind in einigen Städten schon eingeführt, unter anderem in Heidelberg, Worms und Potsdam.

Da Deutschland allgemein und Tübingen speziell diesen Vorbildern nicht folgt und wir nicht tatenlos zusehen wollten, wie Tiere im Zirkus gequält werden, haben wir am 9. und 10. Mai 2014 ein Zeichen gesetzt, indem wir zu Mahnwachen vor dem „Circus Montana“ in Tübingen aufgerufen haben.

Diesem Aufruf folgten am Freitag neun und am Samstag 24 Aktivisten. Während der zweiten Mahnwache kam es leider zu Ausschreitungen. Seitens der Mitarbeiter des Zirkusses wurden rassistische sowie beleidigende Äußerungen getätigt und Vereinsmaterial beschädigt. Dies machte schlussendlich das Herbeirufen der Polizei unsererseits notwendig.